Frühchenwunder

Ihr nennt es Chaos? Wir nennen es Normal!

Es war doch nur ein Kaiserschnitt……

Diesen Satz habe ich in den letzten Monaten, seit dem unser Babywunder geboren ist, schon oft gesagt bekommen. Für mich war er definitiv mehr als nur ein Kaiserschnitt!

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Ich finde diesen Satz auch sehr erschreckend, weil ein Kaiserschnitt nichts natürliches und schon gar nichts schonend für das Kind ist. Ich bin bei dem Thema Geburt und Ernährung eines Kindes sehr natürlich eingestellt und deswegen wäre ein Kaiserschnitt für mich niemals freiwillig in Frage gekommen. Ich hab noch nicht mal darüber nachgedacht. Versteht mich jetzt bitte nicht falsch, es ist gut das es den Kaiserschnitt gibt. Eine Geburt kann schnell zu einem Notfall werden und auf diese Weise kann man dem Kind, aber auch der Mutter, schnell helfen. Dafür ist ein Kaiserschnitt wirklich gut.

In meiner Tätigkeit als Gesundheits- und Kinderkrankenschwester habe ich oft mitbekommen, das Frauen sich für einen Kaiserschnitt entschieden haben, weil sie Angst vor den schmerzen während der Geburt haben.

Ich hatte bei meiner großen Maus eine normal Geburt, die fast 12 Stunden gedauert hat und ja, auch ich habe dabei gedacht, das ich sterben muss. ABER: Der Kaiserschnitt war tausend mal schlimmer. Ich glaube, das lag nicht nur an den Umständen der Frühgeburt,  ich hätte bestimmt genau so empfunden, wenn ich ein reifes Kind zur Welt gebracht hätte. Ich hatte sehr starke Nachwehen, konnte ohne fremde Hilfe nicht aufstehen, geschweige denn laufen. Ich war vollkommen auf Hilfe angewiesen. Das ging ganze drei Wochen so, bis ich wieder voll belastbar war.

Mittlerweile ist mein Kaiserschnitt sechs Monate her und ich habe heute noch Probleme mit meiner Narbe. Ich weiß noch, als wäre es erst gestern gewesen, wie ich mit allen Mitteln versucht habe, die Ärzte zu überreden den Kaiserschnitt nicht durchzuführen. Um 2:30 Uhr wurde ich in den OP gebracht und um 5:38 Uhr ist unser Babywunder geboren, das sagt doch alles oder?

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Klar ist mir bewusst, das unser Babywunder keine Chance gehabt hätte, wenn ich sie auf normalen weg geboren hätte. Aber der Kaiserschnitt hat mir zusätzlichen Schmerz verursacht. Ich meine jetzt nicht nur die Schmerzen die der Kaiserschnitt mit sich bringt, sondern auch die seelischen Schmerzen. Ich hab den Kaiserschnitt als Foltern empfunden. Das mag sich jetzt sehr hart anhören, aber ich empfinde es so. Man liegt da auf dem Tisch, wird festgeschnallt und ist dem Arzt völlig ausgeliefert. Es ist ein schreckliches Gefühl. Man hat mir meine Würde genommen. Ich glaube, wenn man eine Frühgeburt erlebt, befindet man sich für lange Zeit in einem Ausnahmezustand. Ich habe drei Tage nach dem Kaiserschnitt zehn Kilo weniger gehabt. Das wundert mich nicht.

Ich denke viele Frühcheneltern können meine Gefühle nachvollziehen oder?

Wie habt ihr den Kaiserschnitt empfunden?

Wie ging es euch danach?

Ich freue mich auf eure Kommis

Lg

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  1. Katharina

    Liebe Conny,
    ich habe gerade deinen Blog entdeckt. Auch ich habe vor genau 7 Wochen ein Frühchen per Kaiserschnitt bekommen. Allerdings in 31+0. Es wog 1165g mit 39cm. Heute wiegt er etwa das Doppelte und ist 6cm gewachsen.
    Geplant war für mich ein Kaiserschnitt mit Spinalanästhesie. Da die Anästhesisten ihre Vorarbeit jedoch schlampig gemacht haben, würde ich vollnarkotisiert. Nach meinem Notkaiserschnitt 2010 wollte ich eigentlich eine Geburt bei Bewusstsein, aber in dem wirklich unglaublich würdelosen Moment, als ich nackt und festgeschnallt auf dem OP-Tisch lag und der Anästhesist mir die revidierte Narkoseentscheidung mitteilte, war ich fast erleichtert, dass ich gleich „weggeballert“ werden würde. Ich kann wirklich nicht verstehen, wie man sich einen Kaiserschnitt wünschen kann. Es ist ein Schnitt in der Mitte des Körpers und der Seele. Für immer. Sichtbar.
    Ich bewundere dich und deine Kraft und wünsche dir für die Zukunft mit deinen zwei Mädels alles Liebe!

    • Conny Usling

      Hallo, ich danke dir für deine Worte. Genau so hab ich meinen Kaiserschnitt auch empfunden. Ich hoffe deinem Kind geht es gut. Ich wünsche euch nur das beste.

  2. christina

    Liebe Conny,

    ich bin durch Zufall via Instagram auf deinen Blog gestossen. Erstmals grossen Respekt, wie du das Leben mit einem Extremfrühchen so handelst. Noch dazu, wo deine älter Tochter ja in einem Alter ist, wo sie die Mama noch sehr stark braucht. Zu deiner Frage wegen der Kaiserschnitterfahrung.

    Ich hatte bei meinem Sohn 1999 einen Kaiserschnitt. Allerdings hab ich das damals, vllt auch wegen meines Alters, als coole Sache empfunden. Nicht lange leiden müssen klingt ja gut.Von vielen Seiten wurde mir ja immer gesagt, eine Ent bindung ist eine Höllenfahrt. Soweit so gut. Jedenfalls war bei uns der Kaiserschitt bei uns unumgänglich und ca 6 Wochen vorm ET hat es geheißen, zu 80% müssen wir schneiden, 7 Tagen später dann zu 90%. Ausser es geschieht ein Wunder, aber es sieht nicht so aus. Mein Sohn war, warum auch immer, Kinder haben ihren Kopf 🙂 eine Querlage. Alle versuche ihn umzustimmen haben fehlgeschlagen. 3 1/2 Wochen vorm ET kam dann ein leises Ziehen, wir sind sofort ins KH und der Arzt hat sich sofort für einen KS entschieden, da sich niemand festlegen wollte ob Vorwehen oder echte Wehen. Die OP selber ging mittels Kreuzstich von statten, da jeder Mensch gegen Mitternacht wahrscheinlich keinen leeren Magen hat. Muss aber auch sagen, daß die Docs extrem nett waren und sogar meinen Wunsch erfüllten mir jeden Schritt zu sagen. Allein das beruhigt mich immer ungemein und ich steh nicht hilflos daneben. Aber irgendwie geht das so schnell, daß man es kaum wahrnimmt und schon hat man sein Kind. Die Zeit danach war teilweise sehr schmerzhaft, aber nicht so, daß ich nicht alleine aufstehen konnte. Bei mir ist ja die Misdach-Laghov (oder wie man das schreibt) Methode angewandt worden, die schonenende KS Variante. Nach relativ kurzer Zeit war ich aber wieder voll fit, lag vllt auch am Alter und ich hab mir damals sogar geschworen, nie nie nie normal zu entbinden. Hab ich dann 2 1/4 Jahre später bei meiner Tochter machen müssen, da das Mädchen 2 Wochen vorm ET, ca 120km entfernt von unserem KH nach nur 48 Minuten im Kreissaal zur Welt kam. Was anstrenger bzw für mich belastender war??? Fast die normale ET, erstens war sie ein sehr großes Kind und zweitens geht das so schnell, daß du kaum Atem kannst. Und Geburtsterlebnis hast du eigentlich auch kein Wirkliches.

    Meiner Meinung nach empfindet jede Frau ihre Geburt(en) als etwas Einzigartiges und Einmaliges. Was es ja auch ist. Und ich bin auch der Meinung, daß man keine Frau verurteilen soll, wenn sie sich einen KS wünscht, genausowenig wie man auch keine Frau verurteilen soll, die vllt keine PDA oder so bei einer natürlichen Geburt gegen die Schmerzen will. Ich bin davon überzeugt, daß wir alle die für uns richtigen Geburten bekommen und jede Frau leistet in diesen Stunden Großartiges.

    Liebe Grüße!
    Christina

    • Conny Usling

      Hallo Christina, ich gebe dir vollkommen Recht das man niemanden verurteilen kann oder darf. Trotzdem wäre für mich niemals und ich meine wirklich niemals ein Kaiserschnitt in frage gekommen. Ich stehe der Sache sehr natürlich gegenüber und denke mir das die Natur sich schon was dabei gedacht hat. Trotzdem bin ich froh das es den Kaiserschnitt heut zu tage gibt. Ich hoffe du kannst meine Sicht ein wenig verstehn.
      Ich Wunsche euch alles gute. :*

      • christina

        Hallo Conny,

        Ich kann bzw versuche jede sicht zu verstehen. Und der KS is eine tolle sache. Mein querlagenkind haette nie normal geboren werden koennen. Zwei tage spaeter lag meine beste freundin 20 std in d wehen, dass fand ich so schlimm, dass ich horror hatte das auch erleben zu muessen. Bei meiner tochter wars ja dann natuerlich, aber eben rasend schnell. Aber wie gesagt lags auch am alter, beim ersten kind war ich nicht ganz 20 u beim zweiten 22. Da is man vllt noch schmerzaengstlicher.

        Alles liebe dir
        Christina

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